Australisches Arbeitsrecht
- Einleitung
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Das australische Arbeitsrecht hat im Jahr 2009 tiefgreifende Änderungen
erfahren. Dies liegt ganz überwiegend an einem neuen Gesetzespaket, das
Anfang April 2009 endgültig beschlossen und zusammen mit einigen
Übergangsvorschriften Mitte des Jahres 2009 in Kraft getreten ist. Die
neuen Vorschriften, die unter dem Dach des sog. Fair Work Act 2009 gebündelt
sind, greifen tief in das bestehende Arbeitsrecht ein. Es sollte beachtet
werden, dass der folgende Überblick stark vereinfacht ist, ohne
Gewähr erstellt ist und keine rechtliche Beratung im Einzelfall ersetzen
kann oder will.
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Das australische Arbeitsrecht unterscheidet sich
teilweise erheblich von den deutschen arbeitsrechtlichen Vorschriften. So
kann das deutsche Arbeitsrecht mit seinen strengen Kündigungsregelungen
und den engmaschigen Schutzvorschriften (Mitbestimmung im Unternehmen,
Mutterschutz) gegenüber dem australischen Recht als
arbeitnehmerfreundlicher bezeichnet werden. Dazu ist allerdings
einschränkend zu sagen, dass aufgrund der neuen Vorschriften des Fair
Work Act 2009 der Schutz der Arbeitnehmer auch in Australien eine
größere Bedeutung bekommen hat.
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Wesentliche Unterschiede in den
Gehaltsstrukturen sind in Teilen auch darauf zurückzuführen, dass
Arbeitgeber in Australien weitaus geringere Sozialabgaben zahlen als in
Deutschland.
- Einführung des Fair Work Act 2009
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Die unter Prime Minister Kevin Rudd und seinem Vorgänger John Howard
eingeführten und unter dem Fair Work Act 2009 zusammengefassten
Bestimmungen bieten Neuland für das australische Arbeitsrecht. Erstmals
hat Australien damit einheitliche arbeitsrechtliche Regelungen, die die
vorher bestehenden komplizierten Regelungen in den einzelnen Bundesstaaten
ersetzen. Für ganz Australien gilt damit einheitliches Recht.
Ziel des Fair Work Act 2009 ist es, eine andere Ausbalancierung der
verschiedenen Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu erreichen. So
wurde unter dem alten Arbeitsrecht deutlich, dass das bestehende System von
Betriebsvereinbarungen, die zwischen den Parteien eines Arbeitsvertrags
geschlossen werden können, schwerfällig und unpräzise war.
Außerdem wurde eine Vielzahl von Schutzvorschirften für Arbeitnehmer
eingeführt, die damit nach der Modernisierung des Arbeitsrechts
teilweise deutlich mehr Rechte besitzen als zuvor.
- Regelungen von Arbeitsverhältnissen
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Bildlich dargestellt sehen die für ein australisches
Arbeitsverhältnis zu beachtenden Regelungen – neben dem
individuellen Arbeitsvertrag – wie folgt aus:
Die Gestaltung eines Arbeitsverhältnisses beruht
– dargestellt anhand dieser Pyramide –damit auf folgender
Hierarchie: Unten finden sich gesetzlich zwingende Regelungen (dazu 3.1), in
der Mitte teilweise anwendbare tarifsvertragsähnliche Vereinbarungen
(dazu 3.2) und im oberen Teil auf das Unternehmen zugeschnittene Regelungen
von Betriebsvereinbarungen – Enterprise Agreements (dazu 3.3). Das
Ganze wird durch individualvertragliche Regelungen zwischen Arbeitgeber und
dem einzelnen Arbeitnehmer ergänzt.
- 3.1 National Employment Standards (NES)
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Eines der Hauptelemente des Fair Work Act 2009 sind
die National Employment Standards (sog. NES). Dabei handelt es sich um
Regelungen, die für ganz Australien verbindliche Mindeststandards
festlegen, welche als Rahmenbedingungen eines jeden Arbeitsverhältnisses
bezeichnet werden können. Die NES lösen die bisher gültigen
Australian Fair Pay and Condition Standards (AFPCS) ab.
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Bei der Vereinbarung von Arbeitsverträgen mit
Arbeitnehmern ist zu beachten, dass die NES zwingendes Recht sind. Das
bedeutet, dass nicht zum Nachteil der Arbeitnehmer von den vorgenannten
Regelungen abgewichen werden darf.
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Die NES legen unter anderem fest, dass die
wöchentliche Arbeitszeit eines Arbeitnehmers 38 Stunden nicht
übersteigen darf. Der Arbeitgeber darf von dem Arbeitnehmer allerdings
längere Arbeitszeiten verlangen, wenn dies angemessen ist. Die NES
stellen dazu Kriterien auf, anhand derer die Angemessenheit beurteilt werden
kann; insbesondere fließen in diese Abwägung die Interessen des
Arbeitnehmers und branchenübliche Arbeitszeiten ein.
- 3.2 Modern Awards
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Teil 2 der oben dargestellten Pyramide und damit der Mittelbau der
arbeitsrechtlichen Hierarchie sind die sog. Modern Awards.
Modern Awards sind keine gesetzlichen Regelungen, sondern werden von der sog. Australian Industrial Relations Commission aufgestellt. Diese trifft als unabhängiges Gremium mit den Modern Awards
Regelungen, die in etwa mit deutschen Tarifverträgen vergleichbar sind.
Die Besonderheit der Modern Awards liegt darin, dass sie für
verschiedene Industrie- und Dienstleistungssektoren Regelungen treffen, die
spezifisch auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind, darunter etwa:
- der Banking, Finance and Insurance Award
- der Building and Construction General On-site Award
- der Commercial Sales Award
- der General Retail Industry Award
- der Manufacturing and Associated Industries and Occupations Award
- der Nurses Award
- der Pharmaceutical Industry
- der Telecommunications Services Award.
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Modern Awards legen beispielsweise Regelungen für
Mindestlöhne, Überstunden und Streitbeilegung fest. Sie werden
– jeweils mit eigenen Regelungen – unterteilt in sog. Industry– und Occupational Awards. Fällt ein Arbeitnehmer nach keiner
denkbaren Betrachtung unter einen der von den Modern Awards abgedeckten
Sektoren, gelten für ihn allgemein gehaltene Auffangregelungen im sog. Miscellaneous
Award.
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Ein großeres Unternehmen muss daher in der Regel
mehrere Awards beachten, je nach Tätigkeit der jeweils
Beschäftigten (z.B. Sekretariat, Verkaufs- oder IT-Personal).
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Nicht von Modern Awards betroffen sind Angestellte mit
einem Jahresgehalt von mehr als 100.000,00 AUD.
- 3.3 Enterprise Agreements
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Die Spitze der arbeitsvertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten –
neben dem individuellen Arbeitsvertrag – bilden die sog. Enterprise
Agreements. Im Kern handelt es sich um Vereinbarungen, die den deutschen
Betriebsvereinbarungen ähnlich sind. Sie werden von einem Unternehmen
als Arbeitgeber mit seinen Arbeitnehmern geschlossen. Ziel dieser Absprachen
ist es, den bestimmten Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens durch
flexible Anspassung von Spielräumen gerecht werden zu können.
Sinnvoll sind Enterprise Agreements daher regelmäßig
für mittlere oder große Unternehmen.
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Das Unternehmen kann allerdings verpflichtet werden, ein Enterprise
Agreement abzuschließen. Dies muss dann bereits geschehen, wenn nur
ein Arbeitnehmer den Abschluss einer solchen Vereinbarung wünscht.
Unabhängig von der Größe des betreffenden Unternehmens
führt diese Tatsache daher oftmals zu kostenintensiven Verhandlungen mit
Gewerkschaften.
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Außerdem können Klauseln in den Vereinbarungen
dergestalt formuliert werden, dass sie jedem einzelnen Arbeitsverhältnis
von Arbeitnehmer und Arbeitgeber individuell und flexibel angepasst werden
können. Der einzelne Arbeitnehmer kann dann also die flexibel
formulierte Klausel ausnutzen und mit seinem Arbeitgeber eine Vereinbarung
treffen, die den Interessen beider Parteien am ehesten gerecht wird.
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Inhaltlich umfassen die Vereinbarungen genaue
Festlegungen von Arbeitsstunden, Pausenregelungen, Überstunden und
insgesamt der Eingliederung der Arbeitnehmer in den Betriebsablauf des
Unternehmens. So können Enterprise Agreements z.B.
vorsehen, dass die aufgrund der NES zwingend vorgeschriebenen Urlaubstage
ausbezahlt werden, wenn der Arbeitnehmer dies wünscht. Weiterhin legen Enterprise Agreements in Australien oftmals Grundsätze für die
Ausbezahlung und die Höhe von Urlaubsgeld (sog. Loading) fest.
- 3.4 Der individualvertragliche Arbeitsvertrag
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Neben den vorstehenden Regelungen wird immer auch ein individueller
Arbeitsvertrag mit dem Arbeitnehmer geschlossen. Dieser kann schriftlich und
mündlich geschlossen werden und regelt einzelvertragliche Absprachen
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
In diesem Arbeitsvertrag dürfen alle rechtmäßigen
Vereinbarungen getroffen werden; allerdings dürfen diese Regelungen
für den Arbeitnehmer im Vergleich zu NES, Modern Awards und ggf. Enterprise Agreements nicht nachteiliger sein, weil der Arbeitgeber insofern an
die Vorgaben der oben dargestellten Hierarchiepyramide gebunden ist.
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Folgende Besonderheiten gilt es im australischen Recht zu
beachten: so erfolgt die Zahlung des Arbeitslohns oder des Gehalts nicht
monatlich, sondern in der Regel alle 14 Tage.
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Im Gegensatz zum deutschen Recht ist eine Begrenzung von
Arbeitsverträgen erstens zulässig und zweitens die Regel. So kommt
es oftmals vor, dass Arbeitnehmer für einen bestimmten Zeitraum
eingestellt werden und das Unternehmen vor Ablauf der Vertragsdauer erneut
beurteilen kann, ob es den Arbeitnehmer weiterhin braucht. Wenn dies der Fall
sein sollte, wird der Vertrag entsprechend (befristet) verlängert (sog. roll-over).
Unternehmen ist entsprechend regelmäßig zu empfehlen, ihre
Arbeitsverträge zu befristen.
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Verträge für leitende Angestellte, insbesondere
von Managern von Unternehmen sind in Australien umfangreich und legen einen
besonderen Schwerpunkt auf Wettbewerbsklauseln.
- 3.5 Living Away From Home Allowance
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Die sog. Living Away From Home Allowance (LAFHA) ist eine steuerliche
Begünstigung für Arbeitnehmer, die zeitweilig an einem anderen als
ihrem gewöhnlichen Wohnsitz (sei es regional, national oder auch
international) arbeiten. Die Allowance kann dazu führen, dass der
Arbeitnehmer eine deutliche Ermäßigung in der
Besteuerungsgrundlage der sog. Fringe Benefits Tax (also die
Besteuerung geldwerter, nicht lohnbezogener Vorteile) erhält.
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Wenn also z.B. der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen
Zuschuss für dessen derzeitige Wohnung oder Lebensmittel zahlt und
dieser Zuschuss sich in einem vernünftigen Rahmen hält, wird der
Wert dieser Zuschüsse nicht in die Besteuerungsgrundlage für die Fringe
Benefits Tax einbezogen. Da die Gesetzeslage komplex ist müssen Sie
sich hierzu ausführlich beraten lassen.
- 4. Zusammenfassung zur Gestaltung von Regelungen im Arbeitsvertrag
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Das arbeitsrechtliche Schutzsystem in Australien ist damit in verschiedene
Stufen geteilt: Während die NES die Mindestvoraussetzungen für
Arbeitsverhältnisse in Australien aufstellen, regeln die Modern Awards
zusätzliche, für manche Industrie- und Dienstleistungssektoren
erforderliche Bereiche. Sofern Enterprise Agreements eingreifen, verfeinern sie zusätzlich noch die arbeitvertraglichen
Regelungen. Die danach noch bestehenden Spielräume können
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Vereinbarung individueller Regelungen
ausnutzen. Zu beachten ist aber, dass die jeweils höhere Stufe niemals
die Mindestschutzregeln der jeweils niedrigen Stufe in der Pyramide
unterschreiten darf.